14.04.2017

 

 

LOST IN FUSETA - UPDATE

 

 

Lost in Fuseta hat neben den Rezensionen der Leser auch seine ersten Kritiken bekommen:

 

Hamburger Abendblatt

WDR

NDR

Stuttgarter Zeitung

 

Ein Interview im Kriminetz.

Und ganz frisch eine schöne Besprechung vom MDR.

 

 

Was aber wirklich alle meine Erwartungen übertrifft, ist, dass er es als unbekannter Autor Gil Ribeiro binnen zwei Wochen auf die Spiegel-Bestsellerliste schafft. Das geht nur, indem er sich herumspricht und weiter empfohlen wird. Herzlichen Dank!

 

 

26.03.2017

 

 

LOST IN FUSETA

 

 

Für ein Jahr kommt der deutsche Kommissar Leander Lost im Zuge eines europäischen Austauschprogramms an die Algarve nach Fuseta, um dort mit den Kripoleuten Graciana Rosado und Carlos Esteves ein Team zu bilden. Wobei Lost sich in nur 3 Wochen zwar schon recht gut Portugiesisch beigebracht hat aber keinen der Witze seiner neuen Kollegen versteht. Und auch durch seinen schwarzen Anzug samt weißem Hemd und schwarzer Krawatte erscheint er in der brütenden Hitze des Spätsommers eher wie ein Bestatter, der nicht hierher passt.

Der aber gleich im Fall eines ermordeten Privatdetektivs an ihrer Seite ermittelt.

 

Obwohl Graciana und Carlos sich große Mühe mit dem Neuen geben, denunziert er die beiden zunächst bei ihrem Chef und schießt Esteves bei einer Festnahme auch noch ins Bein - höchste Zeit, sich von diesem Alemao wieder zu verabschieden.

Doch dann liefert Soraia, Gracianas Schwester, den beiden eine Erklärung fürs Losts seltsames Verhalten...

 

Und sie sieht es aus, wenn die Belegexemplare ankommen:

 

 

 

Mein dritter Roman ist gleichzeitig Auftakt zu einer Reihe um Leander Lost, und sie erscheint unter dem offenen Pseudonym Gil Ribeiro, während ich unter meinem eigenen Namen weiter in den Genres wildere.

 

 

Ich freue mich sehr, dass Kiepenheer & Witsch mir hier die Chance eingeräumt hat, eine Reihe zu entwickeln. Wie bei einer modernen Fernsehserie entsteht dadurch die Möglichkeit, Figurenentwicklungen über einen Roman hinaus anzulegen und ganze Bögen zu planen und auch Subplots einzuweben, die dann erst in einem späteren Band plötzlich aufbrechen. Kurz: das ist ein großes Spielfeld, das es einem Autoren gestattet, seine Figuren mehr von der Leine zu lassen, ihnen Schicht um Schicht Facetten und Tiefe zu verleihen und dieses nicht zwischen zwei Buchdeckeln komprimieren zu müssen.

 

Die Figur Leander Lost zu erschaffen und zu beschreiben, einen "Mr. Spock an der Algarve", wie er im Buch mal betitelt wird, war ein großer Spaß und Herausforderung zugleich. Denn die Welt mit seinen Augen zu sehen, erschließt sie einem noch einmal. Bloß aus einem anderen aber nicht weniger wahrhaftigen Blickwinkel.

Was mich manches Mal ins Nachdenken über mein eigenes Leben gebracht hat.

 

Bei anderen Geschichten ist das Ende des Romans (meist) auch ein endgültiger Abschied des Autoren von seinen Figuren. Im Kopf leben sie zwar weiter aber nicht auf dem Papier.

Bei "Lost in Fuseta" ist das nun anders. Hier wird es ein Wiedersehen geben, und deswegen war das Loslassen am Ende des ersten Bandes leichter. Aber leicht ist es trotzdem nie.

 

 

02.11.2016

 

 

BURGDORFER KRIMIPREIS 2016

 

 

Am 29.10.2016 bin ich von der Jury der Burgdorfer Krimitage nach Burgdorf eingeladen worden. Mein Roman „Auf kurze Distanz“ hatte sich gegen hundert andere Bücher durchgesetzt und den mit 5.000 Franken dotierten Preis gewonnen. Der Burgdorfer Krimipreis wird alle 2 Jahre für den besten deutschsprachigen Kriminalroman verliehen.

Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung.

 

Ich gebe zu, dass ich von diesem Preis vorher noch nie gehört hatte.

Dafür wurde es aber ein unvergesslicher Tag in der Schweiz. Hier eine sehr gute Zusammenfassung des Abends aus der Berner Zeitung:

 

Der Krimipreis ist wie der erste Kuss

 

 Anlässlich der Preisverleihung stellte zunächst Stadträtin Elisabeth Zäch ein paar Fragen zu dem Roman.

 

 

 

 

Bruno Lehmann, einer der Schöpfer der Krimitage, hielt eine wohl überlegte, feine Laudatio, bei der man das Gefühl bekam, der Roman sei viel besser als er eigentlich ist:

 

 

Und da ich ein lausiger Vorleser bin, hat das Armin Kopp aus Bern für das Publikum und mich erledigt. Ich habe lediglich die Überleitungen zwischen den Passagen hergestellt.

 

 

Das Besondere an diesem Preis ist der Verein, der die Burgdorfer Krimitage organisiert und durchführt. Das sind eine Handvoll krimibegeisterte Privatpersonen, von der Lehrerin über den Anwalt bis zur Stadträtin, die an diversen Plätzen in Burgdorf für mehrere Tage Lesungen organisieren.

Das machen sie so gut und gründlich, dass sie fast wie eine professionelle Truppe wirken. Fast, weil man als Gast dort mit so viel natürlicher Wärme empfangen wird, dass ich mich sofort gut aufgehoben gefühlt habe.

Viele Burgdorfer unterstützen diese Krimitage übrigens noch dazu durch ehrenamtliche Tätigkeiten.

Das macht nicht zuletzt den Charme dieser Veranstaltungen aus.

 

Für mich ist der Preis etwas sehr Besonderes, denn im Gegensatz zu einem Film, an dem viele Menschen beteiligt sind, deren Einzelleistungen zu einem Gesamtwerk kulminieren, ist der Autor für den Roman ganz alleine verantwortlich. Im Guten wie im Schlechten.

 

Ich habe mehrfach sowohl erlebt, wie ein Drehbuch von der Regie unter Wert inszeniert worden ist (um es höflich auszudrücken), als auch dass die Schwächen eines mittelprächtigen Buches von der Regie (und den anderen Gewerken!) abgefedert worden sind.

 

In allen Fällen jedenfalls verschwindet immer etwas von der Handschrift des Urhebers - im Roman nicht. Da ist er jede Zeile er selbst. Und ist vom Plot über die Figuren und die Dialoge in jedem Detail exakt so, wie er  sich entschieden hat, die Geschichte zu erzählen.

 

Deswegen ist die Arbeit am Roman in meinen Augen erfüllender, und ich werde mich ihr in Zukunft mehr widmen.

Darin kann ich klarer Gestalt annehmen.

 

 

Bild: Marcel Bieri.

 

 

 

07.02.2016

 

 

AUTOREN HELFEN

 

 

Jetzt ist sie online, die Aktion und die Website, die fünf Kolleginnen und Kollegen initiiert haben, damit Autoren sich dort in der aktuellen Flüchtlingsdebatte zu Wort melden und sich engagieren können.

 

Man kann als Autor dort Lesungen anbieten oder signierte Romane, Interessierten wiederum ist es möglich, etwa eine Rolle in einem Roman zu ersteigern, einen Platz in einem Romanworkshop oder zum Beispiel ein Lektorat: 

Autoren helfen

 

 

28.12.2015

 

 

DAS PROGRAMM

 

 

„Das Programm“ hat einen langen Weg hinter sich. Nämlich von 2008 bis heute.

Als Einstimmung darauf, um was es geht, hier ein Trailer: Trailer: "Das Programm"

 

Epd-Medien hat mit mir anlässlich der Ausstrahlung ein Interview geführt, in dem ich u. a. auf die Entstehungsgeschichte dieses 3-stündigen Filmes zu sprechen komme: Epd-Medien Interview

 

Bemerkenswert auch für Kollegen und angehende Autoren (und vielleicht auch einfach für an der Materie Interessierte) ist der Umstand, dass der Stoff sowohl bei SAT.1 als auch beim ZDF jeweils nicht aus inhaltlichen oder qualitativen Gründen wieder hinauskomplimentiert wurde, sondern aus formalen.

 

Bei Sat.1 lag es daran, dass der zuständige Chefredakteur aus 80 Seiten Exposé ( 2 x 40 Seiten) nicht erfassen konnte, dass es sich um einen Thriller handelt, die Erkenntnis ereilte ihn dann Monate später in der 2. Drehbuchfassung. Und mit Thrillern hatte Sat.1 in dem Jahr schlechte Erfahrungen gemacht, und deswegen – weil „Das Programm“ ja auch ein Thriller war, wie sich herausstellte – wurde das Projekt dort abgesagt.

 

Das ZDF dagegen erwog die Produktion einer 120-minütigen Fassung – die ich auf Senderwunsch hin schrieb -, um dann festzustellen, dass es sich den Stoff nicht leisten kann (oder will).

 

2014 las der Redaktionsleiter der Degeto auf der Suche nach Drehbüchern, die die Stoffentwicklung bereits größtenteils hinter sich haben, um freie Sendeplätze zu bestücken. In diese „Lücke“ passte „Das Programm“.

 

Das Ergebnis kann man jetzt am 04.01.2016 in der ARD sehen.

 

Und hier, wie fast immer, die Besprechung auf Tittelbach.tv dazu: "Das Programm" auf Tittelbach.tv

 

 

 

 

27.10.2015

 

 

AUF KURZE DISTANZ

 

 

Kriminalkommissar Klaus Burck, den seine Stelle für Wirtschaftsdelikte in Kiel nicht mehr ausfüllte, hatte sich beim Hamburger Landeskriminalamt als verdeckter Ermittler beworben und war als ungeeignet abgelehnt worden – jetzt wird er wenige Monate später zum Schein am Arbeitsplatz verhaftet, um in Hamburg unter der Weisung des ebenso kühlen wie überlegten Frank Dudek die Wettmafia zu infiltrieren.

 

 

Wettmafia – sie manipuliert den Ausgang von Spielen: Fußball, Tennis, Handball, alles bis auf die Formel 1. Und sie erwirtschaftet damit Milliarden.

 

Klaus Burck wird nach zwei Wochen im Milieu auf seine eigentliche Mission vorbereitet – nämlich einen anderen verdeckten Ermittler dadurch zu schützen, indem er von ihm als Polizist entlarvt wird und so die Glaubwürdigkeit von dessen Tarnidentität unterstützt.

Doch die Wettmafia hat ihn offenbar bereits als Spitzel entlarvt, denn:

 

____________________

 

In einem fensterlosen Raum, in dem ein Arzt eine Autopsie an einer Kinderleiche vornahm und seine Beobachtungen mit sachlichem Tonfall in einem Diktiergerät festhielt, führte eine attraktive Mittdreißigerin Dudek und Burck zu einem Tisch, auf dem unter einem grünen Tuch eine weitere Leiche lag. Die blassen Füße schauten am unteren Ende darunter hervor. Am Kopfende hatten sich zwei kräftige Locken der Abdeckung widersetzt und standen irgendwie hilflos ab. Die Luft war von Isopropanol geschwängert.

Ihr Mann?“

Frank Dudek nickte.

Tut mir leid.“

Danke.“

Die Ärztin deutete einen Gruß an und verließ den weiß gefliesten Raum.

Ohne weiter Notiz von Klaus zu nehmen, warf Dudek das Laken zurück. Obwohl die Haut von wächserner Blässe war und der Kopf von Hämatomen überzogen, die die menschlichen Züge des Toten ins Groteske verzerrten, erkannte Klaus bestürzt, wen sie vor sich hatten: Benny.

Das lockige Haar umrahmte seinen Schädel als sei nichts geschehen. Der Torso war von den Schultern bis runter zum Schambein geöffnet und wieder zugenäht worden. Bennys Züge wirkten friedlich, aber sie standen im Widerspruch zu den Verletzungen, die er erlitten hatte. Frank Dudek senkte den Kopf. Seine Gestalt strahlte kein Entsetzen aus, keine Wut, keine Empörung. Nur Resignation.

Er schnaubte in ein Taschentuch, bevor er sich an Klaus wandte.

Bin erkältet.“

Ja.“

Erkennen Sie ihn?“

Benny?“

Genau. Benjamin Gerstmann.“

Ja, er sieht fast aus wie auf dem Foto.“

Bis auf die Verletzungen natürlich und die Schulterfraktur. Und die zertrümmerte Hand.

Burck schluckte unwillkürlich.

Sehen Sie sich seine Hand an.“

Klaus atmete einmal durch, ihm war flau im Magen.

Muss das sein?“

Ist Ihnen etwa schlecht?“

Ja.“

Gut. Sehen Sie seinen Kopf?“

Klaus meinte zu hören, wie Dudeks Stimme leicht schwankte.

Ich sehe ihn.“

Schauen Sie genau hin, Herr Burck.“

Das tue ich.“

Ganz genau.

Klaus atmete einmal tief durch.

Okay, ich seh’ ihn ganz genau an. Sind wir jetzt fertig?“

Nicht ganz. Haben Sie die Schulterfraktur gesehen?“

Klaus nickte.

Können Sie sich vorstellen, wie viel Gewicht nötig ist, um jemandem wie Benny die Schulter zu brechen?“

Viel, nehm’ ich an.“

Wider Erwarten schwieg Dudek und schaute zu Boden. Vielleicht rang er um Fassung, vielleicht prägte er sich auch nur das Muster der Fliesen ein, das war schwer zu sagen. Dann endlich nickte der Mann.

Und was meinen Sie, wie viele Schläge mit dem Wagenheber es braucht, um einen Kiefer und ein Nasenbein in 43 Einzelteile zu zertrümmern?“

Viele“, antwortete Klaus, dem nun endgültig schlecht geworden war. Und dem sich mit einem Mal durch dieses Frage-Antwort-Spielchen Dudeks Schwachstelle offenbarte. Er zögerte keine Sekunde: Ihr Fehler?“

Hm?“

Ist Benjamin Gerstmann Ihretwegen ums Leben gekommen?“

In gewissem Sinne schon“, gab Dudek zu und wich seinem Blick aus, ich hätte ihn besser vorbereiten müssen. Aber bereiten Sie mal jemanden auf eine Mondlandung vor, wenn Sie selbst noch nie dagewesen sind.“

Endlich sah Dudek ihn wieder an durch sein unvorteilhaftes Kassengestell.

Also war es nicht Ihr Fehler.“

Zum Teil. Aber das macht es nicht leichter. Es ist nie leichter, wenn man es jemandem anlasten kann. Schauen Sie sich sein Gesicht an.“

Ich hab’s jetzt gesehen, Herr Dudek. Es sieht schlimm aus. Sind Sie zufrieden?“

Darum geht es nicht.“

Und worum geht es?“

Kurz war Stille. Dudeks Blicke tasteten ihn ab. Dann gab er etwas von seiner Haltung auf, er sackte ein wenig in sich zusammen.

Sie haben das Foto von Aco Goric gesehen, wie er nett in die Kamera lächelt und seinen Teelöffel in eine Süßspeise steckt.“

Ja, hab’ ich.“

Gut. Derselbe harmlose Mann hat das hier befohlen.“

Die Geste seiner rechten Hand umfasste Benjamin Gerstmann und all die Grausamkeiten, die ihm widerfahren waren.

Benny wog 107 Kilo. Der konnte sich wehren, verstehen Sie? Und es dauert, bis man 107 Kilo totgeprügelt hat.“

Warum haben Sie mich hierher gebracht, Herr Dudek?“

 

____________________

 

Frank Dudek hat Klaus Burck hierher gebracht, um ihm eine riskante Mission anzubieten: an die Stelle von Benny Gerstmann zu treten...

 

 

 

 

Dies sind Belegexemplare des Verlags. Und obwohl man natürlich wortwörtlich jede Zeile kennt, ist es ein schwer zu beschreibendes aber auf jeden Fall großartiges Gefühl, ein Exemplar in die Hand zu nehmen, es zu wenden, zu wiegen und mit angewinkeltem Daumen die Seiten einmal durchrauschen zu lassen.

 

Vier Monate Lebenszeit. Tag und Nacht.

Von der Geburt an, wenn Figuren wie Klaus Burck oder Frank Dudek noch Funktionsträger sind, nicht mehr als ein Schatten, wie sie dann Kontur gewinnen, Umriss, Silhouette, Gestalt. Charakterzüge. Marotten, Gesten, sprachliche Eigenheiten.

Wie sie nach und nach mit der Handlung verschmelzen, mit den anderen Figuren zu interagieren beginnen.

Da besucht man als Autor Freunde, geht durch den Wald, kocht, schaut in den Abendhimmel, fährt über die Autobahn - und diese beiden sind stets dabei, sie hausen im Hinterkopf.

Am Ende, bei den letzten Zeilen, muss man sie gehen lassen.

So, wie ein Kind aus dem Haus geht, irgendwann, und man mit offenem Herzen in der Tür steht.

So in etwa fühlt sich das an, wenn man den Roman in die Hand nimmt: Eine Spur Wehmut dabei. Aber natürlich auch Freude und eine Portion Neugier -  jetzt sind die beiden sozusagen in die Welt entlassen und müssen ihren eigenen Weg machen.

 

AUF KURZE DISTANZ ist seit dem 30. Oktober im Handel.

 

Der Hinweis im Funkhaus Europa:Krimitipps - November 2015 - Funkhaus Europa

Und eine erste Besprechung auf WDR 2: WDR 2 Krimitipp - Holger Karsten Schmidt - WDR 2

 

Ein Interview zum Hintergrund vom 28.11.2015: Verschoben und verkauft – Sport und organisierte Kriminalität - Rowohlt

 

24.10.2015

 


TATORT - PREIS DES LEBENS

 

Ausgangslage war der Wunsch des SWR, dass man einmal den Sohn oder die Tochter von Kommissar Bootz (Felix Klare) entführen könnte.

So interessant ich den Gedanken auch finde, weil er natürlich viel dramaturgisches Potential freisetzt und dem Kommissar Fallhöhe verschafft, so sehr widerstrebt mir aber Strickmuster 1 („Der Täter hat eine Geisel genommen - dummerweise ist es zufällig Ihr Kind.“) und Strickmuster 2 („Der Serienkiller von 1972 ist entlassen wurde. Der, den Sie damals verhaftet haben. Raten Sie mal, was er sich Perfides ausgedacht hat, um sich an Ihnen zu rächen.“).

 

Der Gedanke, Bootz, diesen Vorzeigepolizisten, diesen ethisch Unbestechlichen in eine Situation zu bringen, in der er zwei Menschenleben gegeneinander abwägen muss, um eines von beiden zu retten, war für mich nicht nur der erlösende Gedanke, sondern gleichzeitig auch ethische Grundsatzfrage, die ich im Gewand eines Tatorts verhandeln konnte.


Foto: Alexander Kluge / SWR ("Jürgen Carle", Bootz, Mendt auf der Fußgängerbrücke des Max-Eyth-Sees)

Das Großartige an den Menschenrechten ist ja, dass sie für alle gelten. In dem Augenblick, in dem wir sie für uns oder unsere Kinder in Anspruch nehmen, müssen wir sie auch anderen zubilligen.

Und in dem Augenblick, in dem wir sie anderen verwehren, verwirken wir auch unseren Anspruch auf sie.

(Was übrigens in der aktuellen Debatte um Flüchtlinge manchem Mitmenschen entfallen zu sein scheint).

 

Als Täter wählte ich selbst Opfer: ein biederes Ärzteehepaar aus unserem Alltag, das das Martyrium seiner Tochter Mareike und den Mord an ihr auch 15 Jahre später nicht verarbeitet, sondern diese Zeit vielmehr genutzt haben, um einen Racheplan bis ins Detail zu ersinnen.

 

Hier ein Verriss von Christian Buß von Spiegel Online:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort-der-preis-des-lebens-ich-bin-arzt-ich-bring-dich-um-a-1057827.html

 

Und hier ein Betrachtung „in klug“:

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/tatort-tatort-highlight-aus-stuttgart-so-wird-der-krimi-am-sonntag_id_5036091.html


Tilman P. Gangloff, einer unserer besten Kritiker (auch, wenn man von ihm Prügel bezieht):


http://www.evangelisch.de/inhalte/126166/25-10-2015/tv-tipp-tatort-preis-des-lebens-25-oktober-ard-2015-uhr



Und nun noch der Tagesspiegel:

"Tatort" aus Stuttgart: Sterben und leben lassen - Medien - Tagesspiegel


Foto: Alexander Kluge SWR (Lannert mit SEK-Verstärkung ebenfalls am Max-Eyth-See)

Roland Suso Richter hat die Figuren mit viel Fingerspitzengefühl inszeniert.

Tatsächlich war er derjenige, der meine ersten Bücher verfilmt hat, nämlich „Risiko Null“ über den BSE-Skandal, als ich ein Buch von Felix Huby „reparieren“ sollte, und mein Diplombuch an der Filmakademie Baden-Württemberg: „14 Tage lebenslänglich“.

 

Mich haben bei diesem Tatort besonders die dunklen, kontrastreichen Bilder von Kameramann Jürgen Carle fasziniert. Und auch der Soundtrack rundet diesen Trip in die Finsternis ab.

 

Es ist natürlich die erzählerische Drehbuchfrage, wie man Sebastian Bootz einigermaßen heil aus diesem Dilemma kommen lässt. Kleine „Fluchtwege“, die vorgeschlagen wurden, etwa: Er kann ja den Täter bei einer Übergabe überwältigen etc. haben wir in den Besprechungen mit SWR-Redakteurin Brigitte Dithard verworfen.

Das Wesen eines Dilemmas ist ja, dass es ausweglos ist. Und das wollte ich bis in seine letzte Konsequenz steigern, so dass das Zerschlagen des Dilemmas nur darin bestehen kann, dass...

 

Der Titel gibt einen Hinweis auf die Lösung.

 

Sonntag, 25.10.2015, ARD, 2015 Uhr.



05.10.2015

 

 

HENNING MANKELL

 

 

Ich wusste, ich würde über meine zwei Begegnungen mit Henning Mankell eines Tages schreiben. Der Vollständigkeit halber und auch, weil seine Mission in Afrika zeitlos ist und mit seinem Tod nicht in Vergessenheit geraten soll.

Ich wollte es schreiben, wenn es an der Zeit ist. Zu seinem 70. oder 75. Geburtstag. Als kurze Notiz im Blog. Nun ist es viel zu früh an der Zeit.

 

Herr Mankell kam mir in seinem Beisein nur zweimal über die Lippen. Beim zweiten Mal grätschte er in seiner freundlichen aber bestimmten Art dazwischen: Ich bin Henning.

 

Und das kam so: 2006 bot die Bavaria Film mir an, seinen Roman „Kennedys Hirn“ zu adaptieren.

Ich las ihn, empfand ihn als düster und spannend, das Ende mochte ich nicht. Es war unentschlossen.

Aber der Roman war Folie für ein Anliegen. Etwas über Afrika zu erzählen.

Ich schrieb ein umfangreiches Exposé.

 

Die Bavaria-Produzenten und ich trafen ihn in einem Lokal in Grünwald, wohin die Bavaria damals gerne aus ihren kleinen Besprechungswaben wechselte, wenn jemand Wichtiges umgarnt werden musste. Schauspieler etwa – oder eben eine Größe wie Henning Mankell.

 

Henning wirkte unaufgeregt und gelassen aber nicht nachlässig. Er hörte sehr genau zu und gab uns dann freie Hand: „Ein Roman ist ein Roman, und ein Film ist ein Film.“

Braune, klare Augen. Das Gesicht von dieser Silbermähne umrahmt.

Er hatte mein Exposé dabei. Seine Notizen hatte Henning aufs Deckblatt geschrieben.

 

Am Ende der Besprechung zückten alle ihr Exemplar von „Kennedys Hirn“ und baten ihn, es zu signieren. Ich glaube, einer hatte drei Bücher dabei. Ich bat ihn stattdessen um das Deckblatt meines Exposés mit seinen Notizen.

Die sind auf Schwedisch, wandte er zwar ein, reichte sie mir aber.

 

Danach lud er uns alle nach Maputo ein. Er war der Meinung, wir sollten den Schauplatz seines Romans und die Menschen, die dort leben, kennenlernen, bevor wir den Film machen.

 

Nun, natürlich bedeutete das, dass die Bavaria unsere Reisekosten übernehmen musste.

Normalerweise heißt das Zug oder Economy Class. Da Henning aber selbst als Teilzeit-Reiseführer fungieren wollte, käme er in Frankfurt für die Weiterreise nach Johannesburg und dann Maputo dazu. Und da Henning Business flog, flog ich zum ersten Mal in meinem Leben auch Business, denn man erwirbt nicht die Rechte an einem Bestseller und bucht dann Hennings Gäste in eine andere Klasse.

 

Die ganze Woche über trafen wir Henning im Zuge unsere Rechercheausflüge in und um Maputo immer wieder. Entweder zeigte er uns selbst bestimmte Gebäude, erzählte Anekdoten, konfrontierte uns mit Geschichten oder vermittelte uns Treffen - zum Beispiel mit dem Leiter der Deutschen Botschaft.

Abends aßen wir oft gemeinsam, und er befragte uns sehr interessiert nach unserem Tag. Nach unseren Eindrücken. Unseren Gedanken.

Henning war ein sehr aufmerksamer Zuhörer. Zu meinem Glück sprach er sehr gut Deutsch, so dass er überwiegend von meinem Englisch verschont bleib.

 

Er entführte uns an einem Abend ins Teatro Avenida, das er mit aufgebaut hatte. Ein Theater in Maputo, das es so vor Henning Mankell nicht gegeben hatte. Mit einheimischen Schauspielern.

Natürlich führten sie ein Stück in ihrer Landessprache auf, und es waren für mich sehr lange anderthalb Stunden auf einem Holzstuhl, der nicht weicher wurde.

Aber die Begeisterung der Schauspieler war ansteckend, und wie sie später Henning umringten, das war, als drängten die Kinder zu ihrem Vater.

 

Egal, wo wir uns in Maputo aufhielten, nahezu überall war Henning bei der Bevölkerung bekannt. Als ein Freund der Stadt. Als ein Freund der Menschen dort. Und Henning hatte immer ein offenes Ohr für jeden - auch Fremde -, der sich an ihn wandte, weil er ihn kannte oder wiedererkannte.

 

Das Ende von „Kennedys Hirn“ ist filmdramaturgisch gesehen eine Baustelle.

Das wusste die Regie ebenso wie die Produktion, und ich hatte ja freie Hand bekommen, das zu richten und wollte das natürlich in einer Form vollenden, die sich homogen ans Werk anfügte.

Also fragte ich Henning, was er sich bei diesem und jenem gedacht habe. Er lächelte etwas spitzbübisch und antwortete dieses Mal auf Englisch: „It’s all in the novel.“

Ich war stinksauer. Denn der Roman gibt eben keine Antworten auf meine Fragen. Und sein Schöpfer ließ mich mit diesem Stückwerk hängen.

Dann ließ er durchblicken, dass er nun wieder ans Teatro Avenida müsse und ging.

 

Es dauerte etwas, bis ich realisierte, dass er nahtlos an das anknüpfte, was er in Grünwald gesagt hatte: Henning gab mir größtmögliche Freiheit, indem er mich durch seine Antworten nicht festlegte. Er ermunterte mich, mir selbst die Antworten zu geben.

Und er gab uns zu verstehen, dass die Tat vor Ort, das aktive Kümmern um die Bedürfnisse der Mosambikaner, ihm wichtiger war als der Film darüber – den er gleichwohl unterstützte.

 

Henning hat sich nicht von einer bequemen Couch in Schweden aus über die schlechte Lage Afrikas geäußert. Er ist vor Ort gegangen. Er hat sich selbst ein Bild gemacht, er hat sich persönlich engagiert, er hat selbst mit angepackt. Und zwar über Jahrzehnte.

Egal wie spät es in dieser Woche vor 9 Jahren in Maputo wurde, auch zu vorgerückter Stunde war er immer hellwach und mit Leidenschaft aber auch kühlem Kopf dabei, wenn es um die Belange Afrikas ging. Im wahrsten Sinne des Worte unermüdlich.

Ich bin mir sicher, dass Hennings Tod in Maputo besonders beweint werden wird. Weil ein Freund gegangen ist, weil er Stimme jener war, die selbst keine haben oder deren eigene zu leise ist, und auch, weil er für seine Überzeugung keine Kompromisse einging.

Er war da unbestechlich.

 

Die wichtigste Entwicklungshilfe, die der afrikanische Kontinent benötigt, sagte er mir sinngemäß, ist Bildung, Bildung, Bildung.

 

Auf seine Art präparierte Henning uns für den Film, der vor uns lag.

Das Deckblatt habe ich natürlich noch.

 

 

Henning Mankell, 2007 auf der Terrasse des Hotels Terminus in Maputo



22. Mai 2015

 

 

AUF KURZE DISTANZ

 

 

"Auf kurze Distanz", ein Thriller über einen Verdeckten Ermittler in Hamburg, wird im November 2015 beim Rowohlt Verlag erscheinen.

 

Der Verdeckte Ermittler Klaus Burck wird in ein Milieu geschickt, das für ihn Neuland ist - in die Wettmafia.

Gegen sie soll er ermitteln. Dabei geht es nicht nur um die Manipulation von Spielen - Tennis, Fußball, Boxen u. v. m. -, sondern vor allem um die damit verbundenen Kapitalverbrechen: Erpressung, Nötigung, Totschlag, Mord.

 

Denn der Wettmarkt ist nach dem Drogenhandel der lukrativste Markt der Welt. 

 

Der investigative Journalist Benjamin Best, der einige seiner Erfahrungen und Informationen in seinem Buch "Der gekaufte Fußball" verarbeitet hat, sowie der ehemalige Leiter der Verdeckten Ermittler im LKA Hamburg standen mir für meine Fragen geduldig zur Verfügung.

 


Da ich es immer wieder gefragt werde – Was schreiben Sie lieber, Drehbücher oder Romane? – möchte ich es hier in einer Kürze beantworten, die nicht jeder Ausnahme gerecht wird und natürlich äußerst subjektiv ist:

Schreiben Sie lieber Drehbücher oder Romane?



 26. Februar 2015



HARTER BROCKEN



Im Sommer 2011, vor mehr als dreieinhalb Jahren, traten ein Produzent und ein ZDF-Redakteur an mich heran mit dem Ansinnen, einen Krimi im Harz zu erzählen, weil diese Region Deutschlands im Fernsehen noch nicht vertreten war.

Man gab mir freie Hand für die Figuren und die Geschichte, die beiden hatten bloß die Bitte, dass der Harz auf irgendeine Weise immer ein Wörtchen mitzureden habe bei dem, was passiert.

 

Am 25. Juli schickte ich das 40-seitige Exposé an den Produzenten. Bis auf eine Kleinigkeit am Ende, die dem Redakteur zu politisch unkorrekt erschien, ging das Exposé mit dem damaligen Titel „Schandmaien“ seinen Weg im ZDF.

„Schandmaien“ bezieht sich auf die Tradition vor der Walpurgisnacht, mit Kreidelinien zwischen zwei Häusern auf bisher unbekannte Liebschaften aufmerksam zu machen.

 

Beim ZDF muss man als Autor wissen, dass es durchaus auch mal 9 Monate dauern kann, bis man auf ein Exposé eine Reaktion erhält. Ich hatte dieses bei „Für immer ein Mörder – der Fall Ritter“ so erlebt und wunderte mich daher nicht sonderlich, als ich nichts weiter hörte.

Foto: Degeto / Volker Roloff



Irgendwann in 2012 erfuhr ich dann, dass der Produzent in eine andere Firma gewechselt hatte – allerdings ohne „Schandmaien“.

Als die Produktionsfirma H&V Entertainment ihrerseits die Weiterentwicklung im ZDF vorantreiben wollte, erklärte der Redakteur sich als zu eng mit dem ausgeschiedenen Produzenten verbandelt, als dass er diesen Stoff weiter betreuen könnte.

Damit waren die beiden Initiatoren von „Schandmaien“ aus dem Spiel.

 

Bald fand sich aber ein ZDF-Redakteur, der dieses Projekt übernahm und mich mit der Erstellung des Drehbuches beauftragte.

Im Gegensatz zu seinem Kollegen fand er das politisch unkorrekte Ende witzig, weswegen es wieder von mir implementiert wurde. Im Gegensatz zu seinem Kollegen vergaß er aber, dass Autoren vom Sender für ihre Arbeit bezahlt werden und hatte deswegen keinen Stoffentwicklungsvertrag beantragt.

Also sprang der Produzent ein und übernahm die Kosten für die Stoffentwicklung.

 

Nachdem das ZDF seine Produktionszusage für 2014 im Frühjahr 2014 aufhob und eine Produktion für 2015 in Aussicht stellte, übergab man den Stoff zur Prüfung an den Redaktionsleiter Sascha Schwingel bei der Degeto (ARD), der binnen kurzer Zeit das Buch las und einer Umsetzung im Sommer 2014 grünes Licht gab.


Foto: Degeto / Volker Roloff

 

 

Dieses sind Irrwege, die ein Drehbuch bzw. ein Exposé nehmen kann und die veranschaulichen sollen, dass es keineswegs immer von der Güte eines Scripts abhängt, ob es verwirklicht wird oder nicht.

Schandmaien hätte ebenso gut wegen wechselnder Personalkonstellationen unverfilmt bleiben können.

 

Stephan Wagner, mit dem ich seit vielen Jahren arbeite, zum Beispiel für „Der Stich des Skorpions“, „In Sachen Kaminski“ oder zuletzt für „Mord in Eberswalde“, übernahm die Regie.

Das ist für mich immer eine große Erleichterung, weil Stephan Wagner dem Buch mit Wertschätzung und Intelligenz begegnet. Er dreht und wendet eine Szene lange, bevor er mich anruft und fragt, ob er an der etwas übersehen oder missverstanden hat.

Und er ruft selten an.

 

Am Samstag, den 07.03.2015 läuft der Film nun, der aus mir unbekannten Gründen mittlerweile „Harter Brocken“ heißt, um 2015 Uhr in der ARD.

 

Anbei zwei Kritiken, einmal von Rainer Tittelbach

Tittelbach.TV

 

Und einmal von Jens Szameit:

Stimme.de

 

Foto: Degeto / Volker Roloff



5. November 2014

 

 

NORD BEI NORDWEST – KÄPT’N HOOK

 

 

18. September 2012 – das sagt mein Dateianhang über die Fertigstellung des Konzepts von „Nord bei Nordwest“.

Produzentin Claudia Schröder, Hinnerk Schönemann und ich hatten uns von „Finn Zehender“ verabschiedet, weil das ZDF...nun ja...sich nicht gerade verrenkte, um dieses Format zu behalten.

 

Uns war nur klar, dass wir drei unsere Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Von Frau Schröder kam die Idee zu dem Tierarzt an der Küste. Und dann gab sie mir den Auftrag: Schreib’ mir ein schönes Krimi-Konzept für eine Reihe mit Hinnerk in der Hauptrolle.

 

 

 

 

So entstand im September vor zwei Jahren das Konzept. Zwei Wochen, nachdem es fertig war, schrieb Frau Strobel, die die Degeto auf Vordermann brachte, an die ARD-Sender aus, was sie für ihr zukünftiges Programm benötigte – unter anderem ein Krimiformat, durchaus mit eigenem Humor, Betonung aber auf Krimi und Drama.

„Nord bei Nordwest“ passte wie die Faust aufs Auge, und so bekam ich recht schnell den Auftrag, das Pilotdrehbuch in Angriff zu nehmen.

 

Hiinnerk Schönemann als "Hauke Jacobs" mit Hund Holly

Foto: NDR / Gordon A. Timpen

 

 

Mit Donald Krämer, dem Redakteur des NDR, der sofort erfasste, wie Drama und Tonlage sich zueinander verhalten, nämlich nicht „heiter bis tödlich“, sondern dass das Buch den Witz nie ausstellt, dass es nie auf ihn hingeschrieben ist, sondern er sich beiläufig einfügt, am Rande, dass er nicht lustig heraussticht, sondern die Tonlage komplettiert, und wenn er dann doch in einer Szene die Hauptrolle spielt, die Darsteller genau gegenläufig agieren müssen, um unerwartet und echt zu bleiben, hatten wir einen echten Glücksgriff.

 

Es gibt nichts Schlimmeres als mit einem Redakteur oder Regisseur an einem komischen Moment zu arbeiten, der eine ganz andere Auffassung von Humor hat.

Ich kann sehr über Loriot lachen. Nun gibt es viele, die drüber lachen können, wenn sich im Film einer in die Hose macht oder sich übergibt. Zwischen diesen beiden Humorverständnissen ist die Schnittmenge im Nanobereich. Um ehrlich  zu sein: Nein, es gibt sie nicht.

Das meine ich ganz ohne Wertung. Humor ist eben Geschmackssache.

Und es wäre für mich ein Alptraum, mit so jemandem, der auf Unterleibswitze steht, eine Komödie entwickeln zu müssen.

 

Jedenfalls: Die Bedingungen für “Nord bei Nordwest“ waren wünschenswert gut.

 

 

Hinnerk Schönemann, Henny Reents und Marleen Lohse

Foto: NDR / Gordon A. Timpen

 

 

Nun hat der Erfolg von „Mörder auf Amrum“ einige Me-too-Filme nach sich gezogen, in denen Witz und Brutalität an die norddeutsche Küste verfrachtet wurden.

 

Ein ZDF-Tochterunternehmen aus Hamburg etwa wollte sofort mit dem Titel „Mörder auf Sylt“ aufs Trittbrett springen. Das war dann sogar dem Sender zu dreist.

 

„Mörder auf Amrum“ stellt den Humor nie aus, indem die Figuren jetzt realisieren, wie witzig sie rüberkommen, er ergibt sich aus Figuren, die ums Überleben kämpfen. Er ergibt sich aus dem Ernst. Nicht aus dem Ausrutschen auf der Bananenschale.

 

Mit „Nord bei Nordwest“ wollte ich dorthin zurück. Nämlich ein handfestes Drama zu erzählen, einen Krimi, in dem sich bei aller küstenmäßigen Beschaulichkeit die existentielle Schlinge des Lebens unbarmherzig enger und enger zieht und am Ende nur ein Befreiungsschlag helfen kann. Notfalls mit Gewalt.

Ich wollte auch kein behauptetes Drama, das den Zuschauer am Ende entspannt gehen lässt – das wird ihm nicht vergönnt sein.

Ich habe die Skurrilität zurückgenommen, weil sie in einer Reihe irgendwann in den Verdacht des Selbstzwecks gerät und man sie – um Kontinuität zu bewahren – jedes Mal auf Biegen und Brechen erneut herstellen muss. Das kann sehr bald als behauptetes Element unangenehm auffallen.

In einem Einzelstück ist das insoweit unproblematisch, in einer Reihe dagegen mit Vorsicht zu genießen.

 

 

Henny Reents als "Lona Vogt"

Foto: NDR / Gordon A. Timpen

 

 

Dass mit Henny Reents und Marleen Lohse ausgerechnet zwei rothaarige Frauen gecastet worden, ist Zufall. Einer allerdings, der dem Format in meinen Augen sehr dienlich ist.

 

Mir kam außerdem sehr der Wunsch von Produktion und Sender entgegen, für die Figuren von Henny Reents und Hinnerk Schönmann horizontale Bögen anzulegen, die sich also über mehrere Folgen ziehen werden und sich Schale um Schale entblättern.

 

Ich habe gerade die Drehfassung von Teil 2 mit dem Namen „Der wilde Sven“ beendet, und dort ist durchaus fraglich, ob der Vater von Henny Reents immer nur der biedere Handlungsreisende war, als den sie ihn wahrgenommen hat.

Und ob Hinnerk Schönemann wirklich nur wegen seiner Menschenscheu nach Schwanitz gekommen ist – oder ob es dafür einen viel dramatischeren Grund gibt.

 

„Nord bei Nordwest – Käpt’n Hook“, ARD, Donnerstag, 06.11. um 20:15 Uhr.

 

 

Marleen Lohse als "Jule Christiansen"

Foto: NDR / Gordon A. Timpen






26. September 2014

 

 

FÜR IMMER EIN MÖRDER - DER FALL RITTER

 

 

Es ist spannend und ein Kreuz zugleich: Wenn man als Autor von einer Produktionsfirma für die Adaption einer wahren Geschichte angefragt wird.

Wahre Geschichte bedeutet für den Autor neben der Recherche, die einem heute kein Sender mehr bezahlt, in erster Linie, einen authentischen aber vor allem behutsamen Umgang mit den real Beteiligten zu finden.

Insbesondere dann, wenn sie nicht mehr am Leben sind. Warum? Weil sie sich nicht mehr zur Wehr setzen können.

So geht es mir gerade bei Emanuele de Giorgi und Silke Bischoff, weil ich ein Drehbuch über das Gladbecker Geiseldrama schreibe.

 

2009 war es schon einmal soweit.

Simone Höller kam als Produzentin mit einem Stoff auf mich zu, der ihren Mann, Luca Zamperoni, lange beschäftigt hatte. Auch hier war das Opfer tot. Vor Gericht nach anderthalb Jahren von einem Mord freigesprochen wurde der Mann von seinem Umfeld weiterhin als Täter verleumdet.

Er zog weg, an den Rand. Und starb dort.

Einige derer, die ihn gefoltert oder die Folterungen angeordnet oder gedeckt haben, leben noch. Sie haben den Kopf aus der juristischen Schlinge gezogen, weswegen wir den Klarnamen des Opfers nicht nennen durften. Nicht mal das. Wir nannten ihn also Ritter.

 

Da in ein Drehbuch üblicherweise ein Dutzend Leute mitreden, was sehr konstruktiv aber auch ebenso frustrierend sein kann, wird es heikel, wenn Vorschläge kommen, deren Umsetzung die Geschichte oder die (reale) Figur in einem Maße verfälschten, die einen Bruch mit der Authentizität nach sich zöge.

Dieser Bereich ist sicherlich eine Grauzone, ein Niemandsland, in dem jeder Autor für sich einen klaren Weg finden muss, wo er die Grenze zieht, ab dem er dem Redakteur auf die Finger klopft oder das Projekt verlässt.

Denn wenn man eine reale Begebenheit so sehr verfremdet, dass sie sich am Ende kaum noch  erkennen lässt, ist man besser beraten, sie von Anfang an frei zu erfinden.

Wer sich aber auf sie einlässt, übernimmt die Verantwortung für die innere Wahrheit. Er ist Hüter realer Schicksale.

 

Der Job des Autors bei der Adaption wahrer Geschichten ist stets die Verdichtung, Verknappung, Figurenfusionierung, weil man das pralle Leben mit all seinen Details unmöglich in 90 Minuten adäquat abbilden kann.

Einfaches Beispiel: Auf Wolfgang Welsch, Fluchthelfer und Hauptfigur des Filmes „Der Stich des Skorpions“ hat die Stasi drei Attentate verübt. Im Drehbuch habe ich sie auf eines reduziert, da drei Anschläge mit identischem Ausgang redundant sind und ich Filmzeit für andere wichtige Dinge benötigt habe.

Es fehlen zwei Attentate. Die innere Wahrheit ist trotzdem unberührt.

 

 

© ZDF / Andreas Wünschirs

 

 

 

Zurück zu Herrn Ritter.

 

Simone Höller und ich fuhren 2009 nach Boltenhagen, um zwei Tage mit Olaf Claus zu verbringen. Claus war Kommissar gewesen und hatte gegen eigene Kollegen ermitteln müssen, um Ritter zu seinem Recht zu verhelfen.

Dafür war ein hoher Preis für den „Nestbeschmutzer“ fällig.

Claus hat trotzdem die unangenehme Wahrheit ausgegraben, er hat sich in die Sache verbissen und sie mit beeindruckender Gradlinigkeit zu Ende geführt.

Nach unseren Gesprächen war mir klar, dass Herr Ritter den besten Hüter seiner Interessen in Herrn Claus hat.

 

Und das ist das Ergebnis:

 

Für immer ein Mörder – der Fall Ritter.

Montag, 29.09., 20:15 Uhr, ZDF.

 

 

 

24. Mai 2014 

 

 

MORD IN ASCHBERG

 

Finn Zehenders letzter Fall

 

 

Erster Akt

 

Die ZDF-Redakteurin Gabi Heuser, die Produzentin Claudia Schröder, der Regisseur Markus Imboden und ich haben das erste Mal in dieser Formation 2003 zusammengearbeitet.

Das Debüt war „Der Mörder ist unter uns“. Es folgte eine lose Reihe von Provinzkrimis, nämlich „Mörderische Erpressung“ und „Der Tote in der Mauer“.

 

Nach der Premiere von „Der Tote in der Mauer“ auf dem Hamburger Filmfest, bei dem das Publikum die kleinen boshaften Zwischentöne und den schwarzen Humor goutierte, fragte Gabi Heuser mich, was zu schreiben ich denn Lust hätte – ich sagte High Noon auf einer Nordseeinsel mit einem Feigling und ein paar schrägen Typen.

Na, dann schreib’ mal.

 

Ich muss an diesem Punkt festhalten, dass eine Redakteurin, die ihrem Autoren so viel Vertrauen entgegenbringt und ihm derart viele Freiheiten gewährt, die absolute und von mir nie wieder erlebte Ausnahme darstellt (den internationalen Serienerfolgen von „The Wire“ über „Game of Thrones“ zu „Breaking Bad“ und „Borgen“ ist übrigens allen gemein, dass man den zuständigen Autoren die Hoheit über ihre Geschichten zurückgegeben hat, das nur am Rande).

Aus dieser losen Verabredung entstand „Mörder auf Amrum“ – überforderte Dorfpolizisten müssen sich gegen das übermächtige Verbrechen zur Wehr setzen, und das alles ist mit einem schrägen Humor versehen (Der Film war aber nicht Teil der 2 Jahre später einsetzenden Heiter-bis-tödlich-Offensive der ARD).

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

"Mörder auf Amrum" war der erste Montagsfilm des ZDF, der "Wer wird Millionär" quotentechnsich versenkte und rund 7,5 Mio. Zuschauer erreichte. Das war ein Überraschungshit, mit dem niemand gerechnet hatte.
Ich erhielt daraufhin den Auftrag, mir eine reihentaugliche Figur für Hinnerk Schönemann auszudenken. Daraus entstand die Figur Finn Zehender - Privatdetektiv; auch, weil ich zu dieser Zeit der Schwemme an Kommissaren in ARD und ZDF, wo sie einem mittlerweile im dreifachen Dutzend nachstellen, überdrüssig war.
 

Eine Reihe im deutschen Fernsehen zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass es von ihr mindestens zwei Episoden pro Jahr zu sehen gibt. Finn Zehender dagegen musste immer erst die Quote bei der Ausstrahlung abwarten – war die zufriedenstellend, durfte ich mich ans nächste Abenteuer machen. Hätte er die Verantwortlichen im ZDF in den Jahren einmal enttäuscht, wäre er beendet worden.

 

So ist Finn Zehender, den ich als Reihe konzipieren sollte, nie eine Reihe geworden, sondern ein teils misstrauisch beäugtes Zwischending.

Warum ist das so? Ein befreundeter Produzent sagte mal „Finn Zehender ist am ehesten so wie free Jazz.“

Das ist eine Umschreibung, die ich als sehr treffend empfinde.

Er passt einfach in keine Schublade, und etwas, was man nicht kategorisieren kann, ist...nun ja, immer etwas verdächtig, nicht wahr?

 

Meine Erzählungen über Finn reizen die dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten aus, zum Teil breche ich sie. Ich unterlaufe möglichst häufig die Zuschauererwartung, man kann sich so gut wie niemals sicher sein, was als Nächstes passiert, und wenn es passiert, ob es so endet, wie man vermutet.

Action steht neben einer zerdehnten Szene, Ironie neben philosophischer Betrachtung, filigrane Spitzen neben einem platten Spruch, melodramatischer Moment neben Augenblicken echter Bosheit, die Erzähltechniken plot- und character-driven wechseln sich querbeet immer wieder ab etc.

 

Ich finde, das glückt nicht immer. Obwohl ich in Könnern wie Markus Imboden oder auch Hinnerk Schönemann „partners in crime“ gefunden habe, die den Sinn der Mission begriffen haben und deswegen ihrerseits am Set so manches Mal noch einen draufsetzen.

Es sieht vielleicht von außen so aus, als schreibe der Autor einfach mal alles rein, was ihm gerade so einfällt – das ist leider nicht so. „Finn“ ist richtig Arbeit und Orchestrierung - manchmal in feinsten Stellschrauben.

Das geht auch mal daneben.

Aber da haben wir eben die Großmäuligkeit unseres Helden übernommen: Na und?

Lieber bei so einem Versuch scheitern als bei einem seriösen Krimi dramaturgischen Sicherheitsfußball zu spielen und das Ding mit links nach Hause zu bringen (Hochmut kommt vor dem Fall...).

 

 

Dritter Akt

 

Auf der einen Seite wiederholt sich dieses Konzeptionelle, auf der anderen Seite gibt es nur eine Möglichkeit, nicht mehr um die Quote zu bangen – indem man einfach aufhört.

Das habe ich nach der Verfilmung von „Mord in Aschberg“ getan. Markus Imboden, Hinnerk Schönemann und Claudia Schröder sind dieser Entscheidung gefolgt.

Und so ist „Mord in Aschberg“ der vorerst letzte Film mit Finn Zehender.

 

Danke an alle, die das möglich gemacht haben, auf Senderseite an Gabi Heuser, stellvertretend für alle weiteren Darsteller an Katja Danowski, Thomas Thieme und Stephanie Eidt, stellvertretend für das Team Claudia Schröder, danke an Markus Imboden (der schnellste Schweizer, den ich kenne) und last not least an an alle, die diesen ungewöhnlichen Weg mit großem Herzen begleitet haben: Millionen von Zuschauern.


PS: Danke auch an die Kritiker, die die Besonderheiten zu würdigen wussten - im Guten wie im Schlechten.
 

Apropos: "Mord in Aschberg" in der Presse:

 

Mord in Aschberg - Kritik zum Film - Tittelbach.tv

 

Die taz

 

Schmerzhafter Tanz auf der Rasierklinge - TV - WESER-KURIER

 

(Hinnerk Schönemann bei Dreharbeiten zu "Nord bei Nordwest - Käpt'n Hook" auf Fehmarn / Foto: Holger Karsten Schmidt)
(Hinnerk Schönemann bei Dreharbeiten zu "Nord bei Nordwest - Käpt'n Hook" auf Fehmarn / Foto: Holger Karsten Schmidt)

 

 

Abspann

 

Dafür entsteht seit Anfang Mai der Pilot für eine neue Reihe der ARD. Wie der Zufall will mit Claudia Schröder als Produzentin und Hinnerk Schönemann (neben Henny Reents und Marleen Lohse) als Hauptdarsteller: „Nord bei Nordwest – Käpt’n Hook“.

 

Mit Claudia Schröder und Markus Imboden steht das nächste Einzelstück in der Tradition von „Mörder auf Amrum“ voraussichtlich im Herbst für den NDR an: „13 Uhr mittags“, ein norddeutscher Neowestern.

 

 

10. Mai 2014

 

 

PREVIEW IN LADENBURG

 

 

"Ein todsicherer Plan" hatte am 06. Mai eine Preview in Ladenburg, wo im Sommer letzten Jahres die Drehabreiten stattgefunden hatten. Hardy Prothmann berichtet, wie die Ladenburger den Film bei seiner Premiere aufgenommen haben:

“Der Film ist ein Hammer”

 

Und das brachte die "Welt" am Tag der Ausstrahlung:  Richy-Müller-Krimi : Mach die Bank kaputt, die dich kaputt macht - Nachrichten Kultur - DIE WELT

 

             (Foto: Jürgen Carle / Ein Komparse für das Spezialeinsatzkommando in der Drehpause)
(Foto: Jürgen Carle / Ein Komparse für das Spezialeinsatzkommando in der Drehpause)

 01. Mai 2014

 

 

EIN TODSICHERER PLAN (ARD), 14. MAI

 

 

1972 ereignete sich in New York ein Banküberfall, über den der Reporter P. H. Kluge im Life Magazine berichtete: „The boys in the bank“ (Quelle: http://books.google.de/books?id=5VYEAAAAMBAJ&lpg=PA66&pg=PA68&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false).

 

Dieser diente dem Drehbuchautoren Frank Pierson als Grundlage für den Film „Dog Day Afternoon“ („Hundstage“).

Im Sommer 2012 erhielt ich den Artikel von der Maran Film in Baden-Baden, eine Bavaria-Tochter, mit dem Wunsch nach einem Treffen, in dem zusammen mit dem SWR die Frage erörtert werden sollte, wie man so eine Geschichte heutzutage im schwäbischen Nirgendwo mit einem einfachen, rechtschaffenen Mann erzählen würde.

 

Aufgrund des Budgets, das für einen Fernsehfilm zur Verfügung gestellt wird, war umgehend klar, dass die Story sich auf die Charaktere konzentriert und jede Prise Action wohlüberlegt sein muss.

Die Sache character-driven aufzuziehen, war in diesem Fall aber ohnehin das Gebot, zumal das in jedem Film über einen Bankraub die Brücke für Empathie, Überraschung, Unterlaufen der Zuschauererwartung usw. bildet.

Das Genre des Bankraubs ist ca. 7000-mal rauf und runter erzählt worden, und ich hielt es nicht für ratsam, die Historie dieser Verfilmungen zu konsultieren, weil sie mich vermutlich in dem Bemühen, jedwede Dopplung zu vermeiden, aus dem Tritt gebracht hätte. Ich blendete sie daher aus und tat so, als erzählte ich als erster eine Geschichte über einen Bankraub.

 

Ich entschied mich als Hauptfigur für einen Schreiner, der im Gegensatz zu Finanzprodukten noch Dinge herstellt, die man anfassen kann. Damit so jemand den Pfad der Tugend verlässt, muss viel passieren. Also habe ich ihn mit dem Rücken zur Wand gestellt – Klaus Roth, so der Rollenname, ist ein hoffnungslos Verzweifelter.

 

Wenn man character-driven erzählt, ist eine unberechenbare Figur Gold wert – so entstand die zweite Hauptfigur, Achim Buchert, Ex-Soldat. Die personifizierte Gratwanderung – einer, der jeden Moment kippen kann.

 

Ich wollte Bankraub-Filme nicht konsultieren, aber natürlich kann ich mein Gedächtnis nicht ausblenden. Das berichtete von vielen Gegenspielern auf Gesetzesseite, denen bisweilen das Testosteron aus jeder Pore tropft. Aus einem Bauchgefühl heraus entwarf ich daraufhin die Antagonistin Alexandra Beck, die kühler, berechnender und in jeder Hinsicht tougher ist als ein männliches Pendant. Vielleicht gibt es so eine Figur in einem Film über einen Bankraub bereits, aber ich kenne ihn nicht.

(Foto: Jürgen Carle / In einer Drehpause)
(Foto: Jürgen Carle / In einer Drehpause)

 

Diese drei Charaktere, der Plot, die beiden Figurenensemble innerhalb und außerhalb der Bank, das begrenzte Budget, all das musste in ein sinnvolles, spannendes, psychologisch und emotional stimmiges Ganzes verwoben werden.

 

Nach dem Exposé und den ersten beiden Drehbuchfassungen kam Roland Suso Richter als Regisseur an Bord, um das Drehbuch zu inszenieren. In der dritten und letzten Fassung legte man sich auf Richy Müller als Hauptfigur fest.

 

Die Idee, Richy Müller eine Frau und ein Kind anzudichten, denen gegenüber er sich dann in einer Szene erklären muss, ist dem Wunsch der Produktionsfirma geschuldet, um das weibliche Publikum nicht von Anfang an zu verlieren.

Ganz sicher erfährt die Figur dadurch einen anderen, wärmeren Hintergrund.

Ich glaube aber, dieser Charakter hätte ebenso gut ohne diese Anbindung funktioniert.

 

Als Drehbuchautor ist es allerdings nicht mein Job, meine Haltung auf Biegen und Brechen durchzusetzen, sondern die Bedürfnisse der Geschichte zu schützen. Ich kann nicht garantieren, dass Müllers Figur ebenso gut ohne familiären Hintergrund funktioniert – also ist sie jetzt als „Sicherheitsnetz“ drin.

 

Ich möchte die einfallsreiche Kameraarbeit (Jürgen Carle) und den Soundtrack (Ulrich Reuter) neben den anderen Leistungen nochmal betonen. Der Film wurde finanziell auch deshalb realisierbar, weil Roland Suso Richter die Szenen in der Bank mit dem Schauspielerensemble chronologisch drehte. Er versprach sich durch dieses ständige Beisammensein eine unentrinnbare Atmosphäre, die sich früher oder später auch im Spiel der Darsteller niederschlagen sollte. Ich finde, diese kluge Idee ist aufgegangen.

 

Auch, wenn „Ein todsicherer Plan“ in der Liste der lieblosesten Filmtitel sicher einen der vorderen zehn Plätze belegt, möchte ich ihn natürlich empfehlen.

 

Zwei Besprechungen dazu, einmal von Tittelbach.Tv:

http://www.tittelbach.tv/programm/fernsehfilm/artikel-3167.html

 

Einmal von Eric Leimann:

http://www.weser-kurier.de/freizeit/tv_artikel,-Ploetzlich-Gangster-_arid,831389.html

 

Und last not least das Presseheft des SWR:

http://www.swr.de/-/id=13200454/property=download/nid=11165660/1abc6ww/index.pdf

 

Tilman P. Gangloff, neben Rainer Tittelbach, Klaudia Wick, Thilo Wydra und Michael Hanfeld einer der besten Filmkritiker, die wir zurzeit haben, und dessen Kritik zum Film ich im Netz gerade nicht finde, hat für die, die hoffen, hier etwas über Dramaturgie und das Drehbuchschreiben zu finden, einen sehr aufschlussreichen (und richtigen) Punkt benannt: Mit dem Ende des 1. Aktes beginnt im Grunde das Finale.

 

So, doch noch gefunden:

http://www.kino.de/kinofilm/ein-todsicherer-plan/150394


Kann das gut gehen? Vermutlich nicht. Weiden Sie sich am Scheitern: 14. Mai, ARD, 20:15.

(Foto: Jürgen Carle / Der Zugriff)
(Foto: Jürgen Carle / Der Zugriff)

 

09. April 2014

 

 

GOLD WORLD MEDAL FÜR "MORD IN EBERSWALDE"

 


"Mord in Eberswalde" wurde auf dem New York Festival als einer von vier deutschen Fernsehfilmen mit der Gold World Medal ausgezeichnet - Glückwunsch an die Kollegen: "Unsere Mütter, unsere Väter", "Im Netz" und "George":

New York Festivals - 2014 World's Best Television & Films™ Winners

 

 

 

 

 

06. April 2014

 


2. GRIMME PREIS

 


Zusammen mit Zazie Knepper (Szenenbild), Stephan Wagner (Regie), Ronald Zehrfeld und Florian Panzner (beide Schauspiel) habe ich am 4. April in Marl den Grimme Preis für das Drehbuch zu "Mord in Eberswalde" erhalten. 
Nach "Mörder auf Amrum" 2010 das zweite Mal.

Jeder Preisträger bekam einen persönlichen Betreuer an die Hand, den man mit Fragen und Anliegen löchern durfte - bei mir war das Sören Assing aus Marl (danke noch mal, Sören!). 

Hier, in der Loemühle, war die Hälfte der Preisträger untergebracht:

 

 

Das hier ist Sören Assing mit seiner Freundin Jenny Isendahl, die ebenfalls als Begleitung gearbeitet hat. Jenny musste am nächtsen Tag eine Klausur schreiben, Sören hat sich für diesen Tag frei genommen.
Beide haben das ehrenamtlich gemacht - wie alle Begleiter.
Ich finde, das dürfte das Grimme-Institut dringend ändern.
Aber - alles Gute kommt zurück...

 

 

 

So sieht es aus, wenn die Preisverleihung zu Ende ist, die Preisträger auf die Bühne gebeten und den Fotografen zum "Abschuss" frei gegeben werden. 

 

 

 

 

 

 

 

Und so sehen Menschen in diesem Blitzlichtgewitter aus: Ulrich Spies (zum letzten Mal für das Grimme-Institut dabei), Claudia Michelsen, Bundespräsident Joachim Gauck (in einem erleuchteten Augenblick) und Urgestein Klaus Doldinger, ohne dessen Komposition "Das Boot" nicht "Das Boot" wäre.

 

 

21. März 2014

 

 

ADOLF-GRIMME-PREIS 2014 FÜR "MORD IN EBERSWALDE"

 

 

Der Adolf-Grimme-Preis 2014 geht - auch - an "Mord in Eberswalde".
Ich freue mich über den Preis, bedaure, dass einige hervorragende Teamleistungen geschätzter Kollegen in Marl den Sprung von der Nominierung zum Preis nicht vollziehen konnten, und mein letzter Anzug ist zu eng. 

 

 

 

 

22. Februar 2014

 

 

DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS WIRD VERSCHROTTET –

UND DAS IST GUT SO

 

 

Einmal im Jahr hatte der interessierte Zuschauer die Möglichkeit, bequem vom Fernsehsessel aus hinter die Kulissen zu schauen. Hinter die eines Filmes.

Gewerke, die sonst unsichtbar bleiben, bekamen ein Gesicht. Der Komponist, die Autorin, der Produzent, die Szenenbildnerin. Sie alle, die ihre Arbeit abgeschottet von der Öffentlichkeit verrichten, mit dem Resultat ihrer Bemühungen aber den preisgekrönten Filmen zu eben jenen Ehrungen verhelfen, standen nun einmal im Jahr selbst im Fokus der Wahrnehmung.

 

Mehr noch: Der Zuschauer bekam dadurch eine Ahnung davon, was Film wirklich ist – nämlich nicht alleine dem Genius der Regie entsprungen, sondern Teamarbeit, in der die mathematische Unwahrscheinlichkeit, dass dieses Mal jedes Rädchen sein Allerbestes gibt, den Film aus dem Mittelmaß erhebt. In der jeder einzelne ohne die anderen auf verlorenem Posten steht.

Die Verantwortlichen diverser herausragender Leistungen aus unterschiedlichen Filmen wurden für den Fernsehpreis nominiert – und einer erhielt ihn dann auf der Bühne vom Laudatoren überreicht.

 

Da es der Jury gelang, beispielhafte Einzelleistungen zu erkennen und zu ehren, war der Fernsehpreis für viele Kreative auch Messlatte und Ansporn zugleich – sich eben innerhalb seiner Profession besonders zu bemühen.

 

2010 beschlossen die ausrichtenden Sender ARD, ZDF, RTL und SAT.1 diese Einzelleistungen nicht mehr würdigen zu wollen – sondern lieber sich selbst.

Der Preis wurde verschlankt – mit Preisen wurde nun nur mehr der Film an sich und ein Hauptdarsteller bedacht. Genau jenes Gesicht also, das ein Zuschauer ohnehin am ehesten mit einem Fernsehfilm verbindet.

 

Auf diese Weise konnten – so die Begründung der Ausrichter damals - neue Formate untergebracht werden, z. B. Comedy und Dokutainment. Das ist darauf zurückzuführen, dass die ausrichtenden Sender SAT.1 und RTL fiktional häufig minderwertige Ware konfektionieren ließen, sodass sie überwiegend leer ausgingen. Mit der Einführung neuer Formate reichte man ihnen die notwendigen Feigenblättchen.

Diese Boulevardisierung des Preises war der Anfang vom Ende. Viele Berufsverbände Kreativer haben diese Änderungen kritisiert, viele blieben der Veranstaltung seitdem fern.

 

Ich war 2001 für „Der Briefbomber“ und „Todesstrafe“ nominiert und habe erlebt, wie bereits damals schon die Preisträger für etwa Schnitt oder Kamera vor der Fernsehübertragung auf ihren Sitzplätzen ausgezeichnet wurden.

Sie erhielten keine Redezeit auf der Bühne, keine Dankesworte durch einen Laudatoren, keine Gelegenheit, die Wertigkeit ihrer Arbeit für das Gelingen des gesamten Filmes zu unterstreichen. Sie wurden wie Bittsteller abgefertigt.

2006, bei einer weiteren Nominierung, habe ich ebenso abgesagt wie 2010.

Warum erzähle ich das?

Deshalb: Vor 2010 bekamen Autoren wie ich nur eine Einladung zur Teilnahme, wenn man selbst nominiert war. Ab 2011 trudelte nun jedes Jahr eine ein, die jedes Mal direkt zum Altpapier wanderte.

Es war in meinen Augen ein Indikator des stetigen Verfalls der Anerkennung für diesen Preis. Je dauerhafter man sich bemühte, einen dem Zuschauer völlig unbekannten Autoren (genau das betrieb man ja mit dem Preis seit 2010: Das visuelle Verschweigen der Filmschaffenden) als Schwenkfutter für die Kameras zu gewinnen, desto schlechter musste es um die Akzeptanz des Preises stehen.

Und jetzt ist sie dort, wo sie schon längst hingehört – im Keller.

 

Ach ja, welche großartige kreative Einzelleistung des deutschen Fernsehens wurde 2010 noch gleich geehrt? Genau: Die der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer.

 

 

 

 

22. Februar 2014

 

 

INTERVIEW AUF KRIMINETZ.DE

 

 

Zahlreiche Autoren sind von ihr mit ihren sieben Fragen porträtiert worden - Claudia Schmid, die das Kriminetz aus der Taufe gehoben hat, hat sie dieses Mal an mich gerichtet.
Zum Interview auf Kriminetz.de.

  

 

(Foto: WDR / Wolfgang Ennenbach)
(Foto: WDR / Wolfgang Ennenbach)

29. Januar 2014

 

 

"Mord in Eberswalde" ist für den Adolf-Grimme-Preis 2014 nominiert worden.

Die Preisträger werden am 19.03.2014 bekannt gegeben, die Verleihung findet am 4. April in Marl statt.

 

 

 

 

  

Eine Kritik von Klaudia Wick in der epd.


Und eine von Rainer Tittelbach auf Tittelbach.TV.

 

Last not least darf Tilman P. Gangloffs Kritik nicht fehlen.